Kosten der Elektrosanierung in München
Eine vollständige Erneuerung der Elektroinstallation gehört zu den kostspieligsten Sanierungsmaßnahmen im Bestand. In München müssen Sie aufgrund des sehr hohen Preisniveaus mit deutlich höheren Handwerkerlöhnen als im Bundesdurchschnitt rechnen. Während eine vergleichbare Maßnahme bundesweit zwischen 6.000 und 20.000 Euro kostet, liegen die realistischen Kosten in München bei 8.000 bis 25.000 Euro – und können bei großen Altbauwohnungen oder Einfamilienhäusern mit aufwendiger Leitungsführung noch darüber hinausgehen.
Der Stundensatz eines Elektrikers liegt in München aktuell bei 75 bis 110 Euro netto. Hinzu kommen Materialkosten, Schlitzarbeiten, Malerarbeiten zur Wiederherstellung sowie ggf. Kosten für die Abnahme durch den Netzbetreiber (Bayernwerk/SWM).
| Leistung | Kosten (München) | Hinweis |
|---|---|---|
| Bestandsaufnahme & Planung | 300 – 800 € | Elektrofachbetrieb, Aufmaß |
| Unterverteilung / Zählerschrank | 1.200 – 3.500 € | Inkl. FI-Schutzschalter, LS-Automaten |
| Leitungsverlegung (je Raum) | 600 – 1.800 € | Abhängig von Wandmaterial |
| Steckdosen & Schalter | 800 – 2.500 € | Inkl. Unterputzdosen |
| Schlitzarbeiten & Putzarbeiten | 1.500 – 4.000 € | Maurer/Maler, Altbau aufwendiger |
| Beleuchtungsanschlüsse | 400 – 1.200 € | Je nach Anzahl Stromkreise |
| Abnahme & Prüfprotokoll | 200 – 600 € | Pflicht bei Neuinstallation |
| Gesamt (Wohnung 80–120 m²) | 8.000 – 25.000 € | Je nach Aufwand und Ausstattung |
Beteiligte Gewerke bei der Elektrosanierung
Eine Elektroinstallation ist kein reines Elektriker-Projekt. Für eine saubere, normgerechte Ausführung sind in der Regel zwei Gewerke notwendig, die eng aufeinander abgestimmt werden müssen.
Ablauf der Elektroinstallation: Schritt für Schritt
Eine vollständige Elektrosanierung dauert in einer Wohnung zwischen 80 und 120 m² typischerweise 3 Wochen. Planen Sie zusätzlich 1–2 Wochen für Vorlauf und Abnahme ein.
Häufige Fehler bei der Elektrosanierung
1. Zu wenig Stromkreise einplanen
Moderne Haushalte benötigen deutlich mehr Stromkreise als noch vor 30 Jahren. Planen Sie separate Kreise für Küche (mind. 3–4), Bad, Waschmaschine, Trockner, Arbeitszimmer und ggf. Ladestation für E-Fahrzeuge. Wer heute spart, zahlt morgen für die Nachrüstung doppelt.
2. Keine Leerrohre für die Zukunft
Lassen Sie beim Verlegen immer Leerrohre für spätere Erweiterungen einbauen. Das kostet wenig Mehraufwand, spart aber bei künftigen Nachrüstungen erheblich – etwa für Smart-Home-Systeme oder Photovoltaik.
3. Nicht normgerechte Ausführung
Elektroarbeiten müssen der DIN VDE 0100 entsprechen. Schwarzarbeit oder Eigenleistungen ohne Fachbetrieb können im Schadensfall zum Erlöschen der Gebäudeversicherung führen. In München prüfen Versicherungen und Gutachter dies im Schadensfall genau.
4. Malerarbeiten unterschätzen
Viele Bauherren kalkulieren nur die Elektrokosten und vergessen, dass nach der Leitungsverlegung umfangreiche Putz- und Malerarbeiten anfallen. Diese können 20–30 % der Gesamtkosten ausmachen.
Besonderheiten in München
Altbauanteil und typische Mängel
München hat einen der höchsten Altbauanteile unter den deutschen Großstädten. Besonders in Stadtteilen wie Schwabing, Maxvorstadt, Haidhausen, Au, Giesing und Neuhausen dominieren Gründerzeitbauten aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. In diesen Gebäuden sind häufig noch Elektroinstallationen aus den 1950er bis 1970er Jahren vorhanden – teils mit Aluminiumleitungen, unzureichenden Querschnitten und fehlenden Schutzleitern.
Auch in den Nachkriegsbauten der Stadtteile Ramersdorf, Moosach und Milbertshofen besteht erheblicher Sanierungsbedarf. Hier sind Zählerschränke ohne FI-Schutzschalter und veraltete Sicherungstechnik keine Seltenheit.
Preisniveau im Vergleich
München liegt beim Elektrikerhandwerk 25–40 % über dem Bundesdurchschnitt. Ein Stundensatz von 90–110 Euro netto ist in der Landeshauptstadt Standard. Zum Vergleich: In Leipzig oder Dresden liegen die Stundensätze bei 55–70 Euro. Planen Sie Ihr Budget entsprechend großzügig und rechnen Sie bei Altbauten immer mit einem Puffer von 15–20 % für unvorhergesehene Mehraufwände (z. B. versteckte Leitungsführungen, Asbestputz).
Bayerische Bauordnung und Denkmalschutz
Die Bayerische Bauordnung (BayBO) stellt keine gesonderten Anforderungen an Elektroinstallationen, die über die bundesweiten DIN-VDE-Normen hinausgehen. Relevant wird es jedoch bei denkmalgeschützten Gebäuden, die in München besonders häufig sind. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und das Münchner Stadtmuseum-Referat für Stadtplanung und Bauordnung (Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Ref. IV) können Auflagen zu Leitungsführung und Oberflächenbehandlung machen. Klären Sie vor Baubeginn, ob Ihr Gebäude unter Denkmalschutz steht – das Bayerische Denkmalatlas gibt online Auskunft.
Netzbetreiber und Anmeldepflicht
In München ist die Stadtwerke München GmbH zuständiger Netzbetreiber. Neue oder wesentlich geänderte Elektroinstallationen müssen beim SWM angemeldet werden. Ihr Elektrofachbetrieb übernimmt diese Anmeldung in der Regel, stellen Sie sicher, dass dies im Angebot enthalten ist.
Wohnungseigentum und WEG-Recht
In Münchner Eigentumswohnungen – besonders in den begehrten Innenstadtlagen – sind Elektrosanierungen im Sondereigentum (innerhalb der Wohnung) grundsätzlich ohne WEG-Beschluss möglich. Sobald jedoch Gemeinschaftseigentum (Zählerschrank im Keller, Steigleitungen) betroffen ist, ist ein Beschluss der Eigentümergemeinschaft erforderlich. Planen Sie hier ausreichend Vorlauf für die nächste Eigentümerversammlung ein.