Was kostet eine neue Elektroinstallation?
Die Erneuerung der Elektroinstallation gehört zu den kostspieligsten, aber auch wichtigsten Sanierungsmaßnahmen im Bestand. In einem typischen Einfamilienhaus mit 120–150 m² Wohnfläche müssen Sie mit Gesamtkosten zwischen 8.000 und 25.000 Euro rechnen. Die enorme Spanne erklärt sich durch den Zustand der Bestandsinstallation, die Anzahl der Stromkreise, die Ausstattungsqualität und den regionalen Lohnniveau.
Entscheidend ist: Elektroarbeiten sind Facharbeiten, die ausschließlich von zugelassenen Elektrofachbetrieben ausgeführt werden dürfen. Pfusch am Bau ist hier nicht nur teuer, sondern lebensgefährlich und führt zum Erlöschen des Versicherungsschutzes.
| Leistung | Kosten (ca.) | Hinweis |
|---|---|---|
| Bestandsaufnahme & Planung | 300–800 € | Elektrofachbetrieb, Aufmaß und Schaltplanerstellung |
| Unterverteilung / Zählerschrank | 800–2.500 € | Inkl. FI-Schutzschalter, Leitungsschutzschalter |
| Leitungen verlegen (Schlitze fräsen) | 2.500–8.000 € | Abhängig von Wandmaterial und Leitungslänge |
| Steckdosen & Schalter | 1.500–4.000 € | Standard bis Design-Serie, ca. 30–80 Punkte |
| Beleuchtungsanschlüsse | 500–1.500 € | Je nach Anzahl der Leuchtenauslässe |
| Netzwerk / Datenleitungen | 500–2.000 € | CAT7, WLAN-Access-Points, optional |
| Malerarbeiten (Schlitzschließung) | 1.500–4.000 € | Spachteln, Grundieren, Streichen aller Wände |
| Abnahme & Prüfprotokoll | 200–600 € | Pflicht nach VDE 0100, Übergabe an Netzbetreiber |
| Gesamt | 8.000–25.000 € | Einfamilienhaus 120–150 m² |
Kostentreiber im Detail
Der größte Kostenfaktor ist die Leitungsverlegung. In Massivbauten mit Beton- oder Ziegelwänden müssen Kabelschlitze gefräst werden – das ist zeitaufwendig und staubintensiv. In Altbauten mit Holzbalkendecken kann die Leitungsführung unter Putz oder in Leerrohren günstiger sein. Hinzu kommt: Je mehr Stromkreise Sie einplanen (Küche, Bad, Waschmaschine, Wallbox für E-Auto), desto höher die Materialkosten für Kabel und Sicherungen.
Beteiligte Gewerke
Ablauf der Elektrosanierung
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Fehler 1: Zu wenige Stromkreise einplanen
Viele Eigentümer unterschätzen den zukünftigen Strombedarf. Wer heute eine Wärmepumpe, eine Wallbox für das E-Auto oder eine Photovoltaikanlage plant, muss diese Anschlüsse jetzt vorsehen. Nachträgliche Erweiterungen kosten ein Vielfaches. Planen Sie mindestens 20 % Reserve in der Unterverteilung ein.
Fehler 2: Malerarbeiten nicht einkalkulieren
Die Schlitzarbeiten hinterlassen in jedem Raum sichtbare Spuren. Wer nur die Elektrokosten budgetiert, erlebt eine böse Überraschung. Rechnen Sie pauschal 20–30 % der Elektrokosten für Malerarbeiten hinzu. Bei einer vollständigen Sanierung empfiehlt sich ohnehin ein Gesamtanstrich aller Räume.
Fehler 3: Kein schriftliches Leistungsverzeichnis
Mündliche Absprachen führen zu Streit. Bestehen Sie auf einem detaillierten Leistungsverzeichnis, das Anzahl der Steckdosen, Schalter, Stromkreise, Kabeltypen und Schalterprogramm genau benennt. Nur so sind Angebote verschiedener Betriebe wirklich vergleichbar.
Fehler 4: Wohnungsnutzung während der Bauphase
Eine Elektrosanierung bedeutet: kein Strom, Staub in allen Räumen, offene Schlitze. Planen Sie eine Ausweichmöglichkeit für mindestens 1–2 Wochen ein. Wer während der Bauphase im Haus bleibt, verlangsamt die Arbeiten und setzt sich gesundheitlichen Risiken durch Feinstaub aus.
Fehler 5: Prüfprotokoll nicht einfordern
Nach Abschluss der Arbeiten ist der Elektrofachbetrieb verpflichtet, ein Prüfprotokoll nach VDE 0100-600 auszuhändigen. Dieses Dokument belegt die normgerechte Ausführung, ist Voraussetzung für den Versicherungsschutz und wird beim Immobilienverkauf von Käufern und Gutachtern verlangt. Bestehen Sie darauf.
Wann ist eine Erneuerung zwingend notwendig?
Elektroinstallationen haben eine technische Lebensdauer von 30–40 Jahren. Zwingender Handlungsbedarf besteht bei: Leitungen aus Aluminium (häufig in DDR-Bauten und Westbauten der 1960er/70er Jahre), fehlenden Schutzleitern (kein Erdungsanschluss), veralteten Schmelzsicherungen ohne FI-Schutzschalter, sichtbaren Beschädigungen an Leitungen oder Dosen sowie bei Erweiterung der Anlage um Wärmepumpe, Wallbox oder PV-Anlage. Im Zweifelsfall lassen Sie die Anlage von einem unabhängigen Sachverständigen prüfen – das kostet 300–500 Euro und kann teure Fehler verhindern.