Wann dieses Gewerk gebraucht wird und was es umfasst
Zimmererarbeiten fallen an, sobald tragende oder aussteifende Holzkonstruktionen geplant, saniert oder ersetzt werden: Dachstühle im Neubau, Dachsanierungen mit Sparren- oder Pfettenaustausch, Dachgauben, Aufstockungen und Wandkonstruktionen im Holzrahmenbau, Carports, Balkone, Holzterrassen und die Sanierung von Fachwerk. Grundlage der Ausführung ist DIN 18334 (Zimmer- und Holzbauarbeiten), statisch-konstruktiv gilt DIN EN 1995 (Eurocode 5), für Holzschutz DIN 68800 und für Festigkeitsklassen des verwendeten Holzes DIN EN 338.
Wichtig ist die Abgrenzung zu Nachbargewerken: Der Zimmerer liefert die tragende Konstruktion. Dämmung, Dampfbremse, Unterdeckbahn, Dacheindeckung, Dachfenster und Regenrinnen gehören in aller Regel zum Gewerk Dach. Statik und Bauantrag sind Sache eines Fachplaners, nicht des ausführenden Betriebs. Wer diese Grenzen in der Ausschreibung nicht klar zieht, riskiert doppelt beauftragte oder gar nicht beauftragte Leistungen.
Was ins Leistungsverzeichnis gehört
Ein Zimmerer kann nur dann seriös kalkulieren, wenn er nicht raten muss. Folgende Angaben und Positionen sind Pflicht:
Grunddaten der Konstruktion
Dachfläche in m², Dachform (Sattel-, Walm-, Pfetten-, Kehlbalken-, Mansarddach), Dachneigung in Grad, Firsthöhe, Schneelastzone und Windlastzone nach Standort, sowie eventuelle Zusatzlasten durch PV-Anlagen oder Dachbegrünung. Diese Werte bestimmen Sparrenquerschnitt, Pfettendimension und Verbindungsmittel — ohne sie ist jede Position nur eine Schätzung.
Holzqualität
Legen Sie Holzart, Sortierklasse (C24, C30) und die Ausführung fest: Standardbauholz, Konstruktionsvollholz für sichtbare, formstabile Bauteile oder Brettschichtholz (BSH, z. B. GL24h, GL28c) für große Spannweiten. Ein Angebot ohne Sortierklassenangabe ist nicht vergleichbar — C24 und KVH unterscheiden sich preislich und statisch erheblich.
Je Bauteil eine eigene Position
Jeder Baukörper (Hauptdach, Anbau, Garage, Aufstockung) gehört als eigener Titelblock ins LV. Jede Gaube wird einzeln mit Typ, Breite und Position aufgeführt — auch bei identischen Gauben, da Lage und Anschlüsse variieren können. Bei Sanierungen wird jeder Austausch (Sparren, Pfette, Schwelle, Kehlbalken) einzeln mit Stückzahl oder Laufmeter erfasst, nicht pauschal als »Instandsetzung Dachstuhl«. Bei Holzrahmenbau gilt dasselbe für jede Wand-, Decken- und Dachfläche je Geschoss.
Mengeneinheiten korrekt zuordnen
Dachflächen werden in m² Dachfläche (schräg, nicht Grundriss), Pfetten, Schwellen und Rispenbänder in laufenden Metern, Verbindungsmittel häufig pauschal je Dachfläche, BSH-Träger nach m³ oder Stück ausgewiesen. Achten Sie darauf, dass die Aufmaßregel im LV benannt ist — sonst entstehen später Streitpunkte beim Aufmaß.
Bei Sanierung zusätzlich
Zustandsbericht mit Holzfeuchtemessung und Schädlingsuntersuchung, Rückbauumfang, Altholz-Entsorgung nach Kategorien (AI bis AIV je nach Behandlung/Belastung) und eine Notabdeckung, falls das Dach zwischenzeitlich offen bleibt.
Vorbemerkungen: die Kalkulationsgrundlage über allen Positionen
Vor den Einzelpositionen gehören in jedes LV Vorbemerkungen, die für alle Positionen gelten:
- Ausführung nach DIN 18334, DIN EN 1995 (Eurocode 5), DIN 68800 (Holzschutz) und DIN EN 338 (Festigkeitsklassen).
- Angabe der zugrunde liegenden Statik (Ersteller, Datum, Revisionsstand) als Vertragsbestandteil.
- Aufmaßregel: Dachflächen nach tatsächlicher Dachschräge, Verschnitt bei Sparren und Pfetten ist im Einheitspreis enthalten, nicht gesondert abrechenbar.
- Pflicht des Bieters zur Prüfung vor Ort: Bestandsmaße, Rechtwinkligkeit und Ebenheit der Auflager, Tragfähigkeit von Mauerwerk oder Bestandskonstruktion, Zugänglichkeit für Kran oder Materialtransport.
- Holzfeuchte bei Einbau: maximal 18–20 % je nach Bauteil und Norm, bei KVH und BSH werksseitig dokumentiert.
- Holzschutzklasse und Brandschutzanforderung, sofern gefordert (z. B. bei Doppelhaus-Trennwänden oder Reihenhaus-Brandwänden).
Diese Vorbemerkungen sind kein Beiwerk. Sie legen fest, wer welches Risiko trägt — etwa wenn sich bei Sanierung erst nach Rückbau zeigt, dass mehr Sparren ausgetauscht werden müssen als angenommen. Ohne eine klare Regelung zu Zulagen für unvorhergesehene Mehrmengen (z. B. per Stundenlohnvereinbarung oder Einheitspreis je Stück Austausch) landen Sie automatisch beim Nachtrag.
Nebenleistungen nach VOB/C: was bereits im Einheitspreis steckt
Nach VOB/C sind bestimmte Leistungen ohne gesonderte Vergütung im Einheitspreis enthalten — sie dürfen nicht als Nachtrag erscheinen:
- Schutz angrenzender, bereits fertiggestellter Bauteile während der Montage.
- Materialtransport auf der Baustelle bis zum Einbauort.
- Anpassungs- und Passschnitte am Holz, sofern im üblichen Toleranzrahmen.
- Beseitigung von Verschnitt und kleineren Restmengen sowie die Grundreinigung des Arbeitsbereichs.
- Übliche Verbindungsmittel (Nägel, Schrauben, einfache Winkelverbinder), soweit nicht als Sonderstatik-Bauteil ausgewiesen.
- Aufmaß und Dokumentation der ausgeführten Leistung.
Nicht in der Nebenleistung enthalten und deshalb als eigene Position auszuweisen sind: Baustelleneinrichtung bei größerem Umfang (Einrichten, Vorhalten, Räumen), Kran- oder Hebezeugeinsatz bei Dachstuhlmontage, aufwendige Sonderverbindungsmittel wie Balkenschuhe oder Zuganker bei größeren Spannweiten, Gerüststellung (eigenes Gewerk) sowie die Entsorgung größerer Altholzmengen nach Schadstoffkategorie. Bei kleinen Leistungen wie einem Carport oder einer Terrasse ist eine vollständige Baustelleneinrichtung unüblich — hier gehören Absperrung, Materialtransport und Reinigung in die Einheitspreise, ohne eigene Großposition.
Woran Sie ein belastbares Angebot erkennen — und woran ein unvollständiges
Ein belastbares Angebot benennt für jeden Baukörper und jede Gaube eine eigene Position mit Fläche, Stückzahl oder Laufmeter — nicht eine Sammelsumme »Dachstuhl komplett«. Es weist Holzart und Sortierklasse aus, nennt Verbindungsmittel entweder als eigene Position oder erklärt ausdrücklich, dass sie im Einheitspreis enthalten sind, und trennt Kran-/Hebezeugeinsatz von der reinen Zimmererleistung. Bei Sanierungen enthält es eine Position für den Zustandsbericht vor Beginn sowie klare Regeln für den Fall, dass sich beim Rückbau mehr Schäden zeigen als angenommen.
Ein unvollständiges Angebot erkennen Sie an fehlenden Mengenangaben (»Dachfläche ca. 150 m²« ohne Bezug auf konkrete Baukörper), an fehlender Sortierklasse, an pauschalen Gauben-Sammelpositionen ohne Einzelmaße und am Fehlen jeglicher Regelung zu Mehrmengen bei Sanierung. Auch das Fehlen der zugrunde gelegten Statik als Referenz im Angebot ist ein Warnsignal — der Bieter kalkuliert dann auf eigene Annahmen, die später zu Ihren Lasten korrigiert werden.
Ein Angebot, das Ihnen erst nach Auftragserteilung mitteilt, welche Dimensionen und Sortierklassen verbaut werden, verschiebt das gesamte Preisrisiko auf den Zeitpunkt nach Vertragsschluss. Bestehen Sie darauf, dass Dimensionen, Sortierklasse und Lastannahmen bereits im Angebot stehen.
Schnittstellen zu anderen Gewerken: wer was macht, wer wartet auf wen
Zimmererarbeiten sind selten isoliert. Klären Sie folgende Übergaben vertraglich:
- Statik/Bauantrag: Fachplaner liefert die geprüfte Statik vor Ausschreibung. Der Zimmerer baut danach, ändert sie nicht eigenmächtig.
- Dach: Dämmung, Dampfbremse, Unterdeckbahn, Eindeckung, Dachfenster und Rinnen sind Sache des Dachdeckers. Der Zimmerer übergibt eine winddichte, maßhaltige Rohkonstruktion — legen Sie den Übergabezeitpunkt fest, damit das Dach nicht unnötig lange offen steht.
- Gerüstbau: Wird separat ausgeschrieben und muss vor Zimmererbeginn stehen. Klären Sie, wer das Gerüst für welchen Zeitraum vorhält.
- Rohbau/Garten- und Landschaftsbau: Punktfundamente für Carports oder Balkone werden häufig vom Rohbauer oder GaLaBau-Betrieb erstellt, kleine Fundamente können in Ausnahmefällen vom Zimmerer mit übernommen werden — das muss im LV eindeutig zugeordnet sein.
- Trockenbau: Innenbeplankung im ausgebauten Dachgeschoss folgt erst nach Abnahme der Holzkonstruktion durch den Zimmerer.
Die Reihenfolge ist meist: Rückbau (falls Sanierung) → Zimmererarbeiten → Dachdeckerarbeiten → Trockenbau innen. Verzögert sich ein Gewerk, verschiebt sich die Kette. Ein Terminplan, der diese Abhängigkeiten abbildet, verhindert Leerstand und Wartezeiten auf der Baustelle. byndl erstellt aus Ihren Angaben ein solches Leistungsverzeichnis mit Mengen und Vorbemerkungen sowie einen Terminplan, der die Reihenfolge der Gewerke berücksichtigt — Registrierung und Projektbeschreibung sind kostenlos.