Wann dieses Gewerk gebraucht wird und was es umfasst
Dachdeckerarbeiten werden bei drei grundverschiedenen Anlässen beauftragt: der Neueindeckung im Rohbau, der energetischen Sanierung eines Bestandsdachs und der punktuellen Reparatur nach Sturm- oder Altersschäden. Jeder dieser Fälle verlangt ein anderes Leistungsverzeichnis, auch wenn am Ende überall Ziegel oder Bahnen auf dem Dach liegen. Das Gewerk umfasst die Dachdeckung selbst (Steildach nach DIN 18338, Flachdach separat zu betrachten), die Klempnerarbeiten an Rinnen, Fallrohren und Anschlüssen nach DIN 18339 sowie – bei Sanierungen – Rückbau, Dämmung und Unterkonstruktion in einem Zug.
Wichtig für die Abgrenzung: Der Dachdecker deckt ein, er baut aber keine neuen Dachstühle, Gauben oder Aufstockungen. Sobald tragende Holzkonstruktion neu entsteht, ist das Zimmerer-Leistung. Der Dachdecker darf lediglich bestehende Sparren aufdoppeln, einzelne Schadstellen reparieren und die Statik sichtprüfen. Wer eine neue Gaube plant, braucht zwei Gewerke im Bauablauf – und muss das im Ausschreibungspaket berücksichtigen, sonst klafft eine Lücke zwischen Rohbau und Eindeckung.
Was ins Leistungsverzeichnis gehört
Ein Angebot ist nur so gut wie die Mengen und Angaben, auf denen es beruht. Folgende Angaben muss die Ausschreibung enthalten, damit der Bieter nicht schätzen muss:
Grunddaten zum Dach
Dachform und -neigung je Teilfläche, Netto- und Bruttodachfläche, die bestehende Eindeckung (Material, Alter, Zustand), der Zustand des Dachstuhls, die gewünschte Dämmstufe und die Schneelastzone nach DIN 4149/aktuellen Landeskarten. Bei mehreren Baukörpern – Hauptdach, Anbau, Garage – gehört jede Fläche einzeln mit Bezeichnung, Quadratmeterzahl und Neigung in die Liste. First-, Grat-, Kehl-, Trauf- und Ortganglängen müssen separat vermaßt sein, weil sie eigene Positionen mit eigenen Einheitspreisen erzeugen.
Elemente einzeln erfassen
Jede Gaube, jedes Dachfenster, jeder Schornstein und jede Durchdringung (Lüftung, Sanitärentlüftung, spätere PV-Durchführung) braucht eine eigene Position mit Typ, Maßen und Lage. Wer hier pauschal »diverse Durchdringungen« schreibt, bekommt später einen Nachtrag für jede einzelne Manschette. Rinnen- und Fallrohrlängen sind je Gebäudeseite anzugeben, nicht als Gesamtsumme – unterschiedliche Seiten haben oft unterschiedliche Nennweiten und Materialien.
Positionen, die üblicherweise fehlen
Für Sanierungen gehören zusätzlich Rückbaupositionen für die alte Eindeckung, die Lattung, die Unterspannbahn und – falls vorhanden – die alte Dämmung ins LV, jeweils mit Flächenangabe. Bei Faserzementplatten unklaren Alters ist eine Position zur Asbestabklärung sinnvoll, da die fachgerechte Entsorgung ein eigenes Verfahren mit Nachweispflicht ist.
Vorbemerkungen: die Kalkulationsgrundlage über allen Positionen
Vorbemerkungen legen fest, nach welchen Regeln überhaupt gerechnet wird. Ohne sie kalkuliert jeder Bieter nach eigenem Gutdünken, und die Angebote sind nicht vergleichbar.
Normen und Regelwerke
Die Leistung ist nach DIN 18338 (Dachdeckung), DIN 18339 (Klempnerarbeiten) und den aktuellen Fachregeln des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks auszuführen. Bei Außenwandbekleidungen gilt zusätzlich DIN 18516. Diese Regelwerke bestimmen Mindestüberdeckungen, Lüftungsquerschnitte und Anschlusshöhen – Abweichungen sind nur mit begründetem Sonderdetail zulässig.
Aufmaßregeln
Legen Sie fest, ob nach Netto-Dachfläche (ohne Überstand) oder Brutto-Dachfläche (mit Überstand, First- und Ortgangüberdeckung) abgerechnet wird. Diese Differenz kann mehrere Prozent der Gesamtfläche ausmachen. First-, Grat- und Kehllängen werden in laufenden Metern, Dachfenster und Gauben stückweise abgerechnet – das muss im LV so vorgegeben sein, sonst mischt jeder Bieter seine eigene Systematik.
Ortsbesichtigung als Pflicht
Verpflichten Sie die Bieter zur Besichtigung vor Angebotsabgabe. Der Zustand der Dachlattung unter alten Ziegeln, die tatsächliche Sparrentiefe für die Dämmstärke und der Zugang für Kran oder Schrägaufzug lassen sich von Planunterlagen allein nicht verlässlich beurteilen. Ein Angebot ohne vorherige Besichtigung ist bei Sanierungen ein Risikofaktor für spätere Nachträge.
Nebenleistungen nach VOB/C: was bereits im Einheitspreis steckt
Nach VOB/C sind bestimmte Leistungen automatisch Bestandteil des Einheitspreises und dürfen nicht separat abgerechnet werden, auch wenn sie im LV nicht ausdrücklich stehen. Dazu zählen bei Dachdeckerarbeiten insbesondere: das Vorhalten von kleinem Gerät und Werkzeug, der Materialtransport innerhalb der Baustelle, das Schneiden und Passen von Ziegeln und Blechen an Anschlüssen, die laufende Reinigung des Arbeitsbereichs sowie das Abdecken angrenzender Bauteile gegen Verschmutzung während der Ausführung.
Bei kleineren Reparaturaufträgen gehört auch die einfache Baustellenabsicherung (Staubschutz, provisorische Absperrung) zur Nebenleistung und sollte nicht als separate Position mit eigenem Preis erscheinen – das würde Kleinaufträge unnötig verteuern. Erst bei größerem Umfang, etwa bei einer Komplettsanierung mit mehrwöchiger Bauzeit, ist eine eigene Baustelleneinrichtung mit Einrichten, Vorhalten und Räumen als eigene Position gerechtfertigt.
Woran Sie ein belastbares Angebot erkennen
Ein belastbares Angebot bildet die Struktur des LV eins zu eins ab: jede Dachfläche, jede Gaube, jedes Fenster und jeder Schornstein als eigene Position mit eigener Menge – nicht als Pauschalsumme »Dach komplett«. Die Mengen im Angebot müssen mit Ihren Vorgaben übereinstimmen; weicht ein Bieter bei der Dachfläche ab, hat er entweder anders aufgemessen oder unsauber kalkuliert – in beiden Fällen sollten Sie nachfragen.
Ein gutes Angebot benennt das konkrete Material mit Typenbezeichnung (Ziegelmodell, Dämmstoff mit Wärmeleitgruppe und Dicke, Bahnenqualität), nicht nur die Warengruppe. Es weist Sturmklammern, Vogelschutzgitter und Anschlussdetails gesondert aus oder erklärt ausdrücklich, dass sie in der Hauptposition enthalten sind. Fehlen Rückbau- und Entsorgungspositionen bei einer Sanierung völlig, ist das Angebot unvollständig – diese Kosten kommen sonst als Nachtrag.
Skeptisch sollten Sie werden, wenn ein Angebot deutlich unter vergleichbaren Angeboten liegt, aber Positionen wie Dampfbremse, Konterlattung oder Traufblech gar nicht auftaucht. Das ist kein Schnäppchen, sondern eine Deckungslücke, die später als Zusatzleistung wiederkommt. Fragen Sie im Zweifel gezielt nach den fehlenden Positionen, bevor Sie den Zuschlag erteilen.
Schnittstellen zu anderen Gewerken
Das Dach ist ein Knotenpunkt im Bauablauf, an dem mehrere Gewerke ineinandergreifen. Wer diese Abhängigkeiten nicht kennt, riskiert Stillstand oder doppelte Arbeit.
Gerüstbau
Das Arbeits- und Dachfanggerüst ist ein eigenes Gewerk und wird nicht vom Dachdecker gestellt. Im Dachdecker-LV taucht es nur als Vorbemerkung auf: Lastklasse, Dachfangwand und geplante Standzeit müssen dem Gerüstbauer mitgeteilt werden, damit sein Angebot passt. Klären Sie vorab, wer das Gerüst bestellt und wie lange es dem Dachdecker zur Verfügung steht – Wartezeiten wegen fehlendem Gerüst gehen sonst zu Ihren Lasten.
Zimmerer
Neue Gaubenkonstruktionen, neue Dachstühle und Aufstockungen sind Zimmererleistung. Der Dachdecker übernimmt erst danach die Eindeckung. Bei Neubauten dieser Art muss der Zimmerer fertig sein, bevor der Dachdecker beginnen kann – das gehört zwingend in den Terminplan.
Elektro und Photovoltaik
Blitzschutz-Fangeinrichtungen und PV-Trägerbleche werden zwar teilweise vom Dachdecker montiert, die eigentliche Elektroinstallation und die PV-Module selbst sind separate Gewerke. Im Dachdecker-LV gehören nur die Durchführungen und Trägerbleche als Vorleistung hinein, nicht die Anlage selbst.
Fenster und Innenausbau
Dachfenster werden vom Dachdecker eingebaut und eingedeckt, der Innenausbau (Futter, Verkleidung von innen) liegt oft beim Trockenbauer. Legen Sie fest, wer das Innenfutter liefert und montiert, sonst entsteht eine Lücke zwischen den Gewerken.
byndl erstellt aus Ihren Angaben zu Dachflächen, Elementen und Zustand ein vollständiges, VOB-konformes Leistungsverzeichnis mit Mengen und Vorbemerkungen, eine Kostenschätzung sowie einen Terminplan, der genau diese Gewerke-Abhängigkeiten berücksichtigt. Die Ausschreibung geht anschließend an passende Betriebe – Registrierung und Projektbeschreibung sind kostenlos.