Gerüstbau – A detailed view of steel scaffolding on a construction site, showcasing architectural design.
Ratgeber

Gerüstbau ausschreiben: Was ins Leistungsverzeichnis gehört

1.500 € – 15.000 €
Typische Gesamtkosten
1 Wochen
Typische Projektdauer
1 Gewerke
Benötigte Fachbetriebe

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Wann dieses Gewerk gebraucht wird und was es umfasst

Ein Gerüst wird immer dann zum eigenständigen Gewerk, wenn Arbeiten in der Höhe stattfinden, die vom Boden aus nicht sicher auszuführen sind: Fassadenanstrich, Putzarbeiten, WDVS-Montage, Dacharbeiten oder Klempnerarbeiten. Auch wenn das Gerüst am Ende nur von einem Malerbetrieb genutzt wird, lohnt sich die separate Ausschreibung fast immer — Gerüstbaubetriebe kalkulieren präziser und haften klar abgrenzbar für Aufbau, Standsicherheit und Rückbau.

Das Gewerk umfasst nicht nur das Aufstellen von Rohren und Gerüstböden. Dazu gehören je nach Projekt: die Prüfung des Untergrunds und der Verankerungspunkte, die Genehmigung für die Aufstellfläche (öffentlicher Gehweg, Nachbargrundstück), Schutzmaßnahmen für Passanten und Nachbarn, die eigentliche Standzeit über mehrere Wochen, die wöchentliche Kontrolle und am Ende der fachgerechte Abbau samt Wiederherstellung der Aufstellfläche. Wer nur die Auf- und Abbauleistung ausschreibt und die Standzeit vergisst, bekommt spätestens nach vier Wochen einen Nachtrag.

Gerüstbau – Scaffolding covers an urban building facade, capturing a construction site in detail.
Foto: Jan van der Wolf / Pexels

Was ins Leistungsverzeichnis gehört

Ein Gerüstbau-Angebot ist nur dann vergleichbar, wenn folgende Angaben je Position feststehen:

Gerüstflächen und Geometrie

Für jede einzurüstende Seite brauchen Sie Länge und Höhe getrennt, daraus ergibt sich die Gerüstfläche in m². Fassen Sie gleichartige Gerüstflächen (gleiche Lastklasse, gleiche Breitenklasse, gleicher Aufbau) in einer Sammelposition mit der Gesamtmenge zusammen — eine Aufteilung nach Himmelsrichtung in der Beschreibung reicht aus. Nur wirklich abweichende Bereiche (andere Lastklasse, Erker, Gauben, eingeschränkter Zugang) werden als eigene Position geführt.

Lastklasse und Breitenklasse

Die Lastklasse richtet sich nach dem Gewerk, das später auf dem Gerüst arbeitet: Klasse 2 (Belagbreite 0,60 m) reicht für reinen Anstrich, Klasse 3 (Belagbreite 0,90 m) ist Mindeststandard für Putz, WDVS und Maurerarbeiten. Legen Sie die Lastklasse fest, bevor Sie ausschreiben — sonst kalkuliert jeder Bieter etwas anderes, und die Angebote sind nicht vergleichbar.

Sonderbauteile als eigene Positionen

Treppentürme, Überbrückungen oder Konsolausleger über Vordächern, Schutzdächer über Gehwegen, Dachfanggerüste je betroffener Traufseite und Nachbarschutzwände sind seitenspezifisch und gehören als eigenständige Positionen mit eigener Mengenangabe ins LV — nicht pauschal in die Grundfläche eingerechnet.

Standzeit getrennt von Auf-/Abbau

Auf- und Abbau ist eine Leistung mit einem Preis, in dem die ersten Wochen Standzeit üblicherweise bereits enthalten sind. Die Verlängerung je Woche ist eine eigene Position mit eigenem Einheitspreis. Fragen Sie explizit nach, wie viele Wochen im Grundpreis enthalten sind — Angebote ohne diese Angabe führen fast immer zu Streit bei Bauzeitverlängerung.

Angaben, die Sie selbst liefern müssen

💡
Fehlende Angaben: Wenn Sie eine Höhe oder Länge nicht exakt kennen, lassen Sie den Bieter eine Annahme dokumentieren, statt sie zu schätzen. Ein Aufmaß vor Ort ersetzt keine Ausschreibung, klärt aber die Mengen verbindlich.
Gerüstbau – Detailed view of a construction site scaffolding structure and ladder against a bright blue sky.
Foto: Jef KoeleWijn / Pexels
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Vorbemerkungen: die Kalkulationsgrundlage über allen Positionen

Vorbemerkungen sind kein Formalkram, sondern legen fest, wonach der Bieter überhaupt kalkuliert. Folgende Punkte sollten für Ihr Projekt festgehalten sein:

⚠️
Ohne Lastklasse kein Vergleich: Ein Angebot ohne Angabe der Gerüstklasse und Belagbreite ist wertlos für den Preisvergleich — es kann ein zu schwaches Gerüst kalkuliert sein, das später nachgerüstet werden muss.
Gerüstbau – Construction scaffolding in a city with a sunset backdrop creates a striking urban atmosphere.
Foto: happyJa / Pexels
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Nebenleistungen nach VOB/C: was bereits im Einheitspreis enthalten ist

Nach VOB/C sind bestimmte Leistungen automatisch Bestandteil des Einheitspreises und dürfen nicht als Zusatzposition auftauchen. Für Gerüstbau gehören dazu insbesondere:

Nicht enthalten und daher zwingend als eigene Position auszuschreiben sind: Schutzdächer über öffentlichem Gehweg, Nachbarschutzwände, Fanggerüste, Materialaufzüge, Zwischenlagerflächen sowie das Verschließen von Verankerungslöchern nach Abbau — dafür ist in der Regel das Fassadengewerk zuständig, aber die Übergabe muss vereinbart sein.

Gerüstbau – A detailed view of scaffolding at a construction site shows structure and pattern.
Foto: Josh Sorenson / Pexels

Woran Sie ein belastbares Angebot erkennen — und woran ein unvollständiges

Ein belastbares Angebot benennt für jede Position die Menge in m², laufenden Metern oder Stück, die zugrunde liegende Lastklasse und Breitenklasse, die enthaltene Standzeit in Wochen und den Einheitspreis für die Verlängerung je Woche getrennt vom Auf-/Abbaupreis. Es weist Sonderbauteile wie Fanggerüst, Schutzdach oder Treppenturm als eigene Positionen mit eigener Menge aus, statt sie in die Gesamtfläche einzurechnen.

Unvollständige Angebote erkennen Sie an Pauschalsummen ohne Flächenaufschlüsselung, an fehlender Angabe der Lastklasse, an einer Standzeit, die nicht benannt wird (Verlängerung droht dann unkalkulierbar zu werden), und an fehlenden Positionen für Nachbarschutz oder Gehwegsicherung, obwohl die Grundstückssituation das erfordert.

💡
Vergleichsprüfung: Legen Sie zwei Angebote nebeneinander und prüfen Sie, ob beide dieselbe Gesamt-Gerüstfläche, dieselbe Lastklasse und dieselbe Anzahl enthaltener Standzeitwochen ausweisen. Nur dann ist der Preisvergleich seriös.

Schnittstellen zu anderen Gewerken: wer was macht, wer wartet auf wen

Das Gerüst steht am Anfang der Bauzeit und muss zum vereinbarten Termin fertig sein, bevor Maler, Stuckateur, Dachdecker oder Klempner beginnen können. Umgekehrt darf es erst abgebaut werden, wenn das letzte Gewerk seine Arbeiten abgeschlossen und freigegeben hat. Diese Reihenfolge braucht einen abgestimmten Terminplan, sonst zahlen Sie doppelt: einmal für ungenutzte Standzeit, einmal für eine kurzfristige Verlängerung, weil das Fassadengewerk in Verzug ist.

Bei WDVS-Montage verschließt in der Regel das Fassadengewerk die Verankerungslöcher nach dem Abbau — das muss im LV des Fassadengewerks stehen, nicht beim Gerüstbauer. Bei Dacharbeiten muss das Dachfanggerüst so lange stehen bleiben, bis die Dachdeckerarbeiten und häufig auch die PV-Montage abgeschlossen sind; sprechen Sie diesen Übergabetermin mit beiden Gewerken ab. Bei Anstricharbeiten reicht oft ein einfacheres Gerüst der Klasse 2, das nach Abschluss sofort abgebaut werden kann — hier lohnt sich eine kurze, klar terminierte Standzeit.

byndl erstellt aus Ihren Angaben zu Gebäude, Sanierungsart und Grundstückssituation ein VOB-konformes Leistungsverzeichnis mit Mengen und Vorbemerkungen, holt Angebote passender Betriebe ein und liefert einen Terminplan, der diese Abhängigkeiten zwischen Gerüstbau und Folgegewerken berücksichtigt.

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Häufige Fragen zur Gerüstbau

Sie sollten die Lastklasse anhand des geplanten Hauptgewerks vorgeben (Anstrich Klasse 2, Putz/WDVS Klasse 3), damit alle Bieter dieselbe Grundlage kalkulieren. Der Gerüstbauer prüft dann, ob diese Klasse für die konkrete Situation ausreicht.
Dafür braucht das Angebot eine separate Position für die Standzeitverlängerung je Woche. Ohne diese Angabe wird die Verlängerung häufig zum Streitpunkt, weil kein vereinbarter Preis existiert.
Formal meist der Grundstückseigentümer, die Beantragung übernehmen aber viele Gerüstbaubetriebe als Serviceleistung. Klären Sie vor Auftragsvergabe, wer die Genehmigung einholt und wer die Gebühr trägt.
Nein, ein Fanggerüst ist nur bei Dacharbeiten mit Absturzgefahr über der Traufe erforderlich. Für reine Fassadenarbeiten reicht ein Arbeitsgerüst der passenden Lastklasse.
Schreiben Sie Nachbarschutzwände oder Schutznetze als eigene Position aus, wenn das Gerüst über die Grundstücksgrenze reicht oder Baustaub anfallen kann. Eine frühzeitige Abstimmung mit dem Nachbarn erspart spätere Konflikte.