Fassadenbau & -sanierung – Scaffolding at a residential building under construction with windows and insulation sheets visible.
Ratgeber

Fassadenbau & -sanierung: Was ins Leistungsverzeichnis gehört

10.000 € – 60.000 €
Typische Gesamtkosten
4 Wochen
Typische Projektdauer
1 Gewerke
Benötigte Fachbetriebe

Was kostet Fassadenbau & -sanierung bei Ihnen?

Beschreiben Sie Ihr Vorhaben – unsere KI erstellt sofort eine fachliche Einschätzung mit Gewerken, Ablauf und Zeitplan.

Jetzt Projekt analysieren
✓ Kostenlos✓ Keine Registrierung✓ Ergebnis in 2 Minuten

Wann dieses Gewerk gebraucht wird und was es umfasst

Fassadenbau und -sanierung betreffen alle Maßnahmen an der wärme- und witterungsschützenden Gebäudehülle: von der reinen Neubeschichtung über die energetische Sanierung mit Wärmedämmverbundsystem bis zur vorgehängten hinterlüfteten Fassade mit Klinker-, Faserzement- oder Metallbekleidung. Typische Anlässe sind Risse und Abplatzungen am Altputz, ein anstehender Fassadenanstrich, die Erfüllung des Gebäudeenergiegesetzes bei größeren Sanierungen, der Wunsch nach KfW-Förderung oder schlicht das Alter der bestehenden Dämmung.

Wichtig für die Ausschreibung: WDVS und VHF sind zwei grundverschiedene Konstruktionen mit unterschiedlichen Normen (DIN 18345 für WDVS, DIN 18515 für Außenwandbekleidungen) und Kalkulationslogiken. Beide Systeme in einem Leistungsverzeichnis für dieselbe Fläche auszuschreiben, ist ein häufiger Fehler, der zu unvergleichbaren Angeboten führt. Legen Sie die Systementscheidung möglichst vor der Ausschreibung fest, notfalls mit fachlicher Beratung.

Fassadenbau & -sanierung – Scaffolding covers an urban building facade, capturing a construction site in detail.
Foto: Jan van der Wolf / Pexels

Was ins Leistungsverzeichnis gehört

Ein belastbares Fassaden-LV gliedert sich in nachvollziehbare Titel, die dem tatsächlichen Bauablauf folgen. Für jede Leistungsart wird die Gesamtmenge über alle bearbeiteten Fassadenseiten ausgewiesen – die Aufteilung nach Seiten darf zur Transparenz in der Beschreibung genannt werden, ändert aber nichts an der Positionszahl. Getrennte Positionen entstehen nur, wenn sich Aufbau oder System einer Seite tatsächlich unterscheiden, etwa eine Klinkerfassade statt Putz an einer Giebelwand.

Baustelleneinrichtung und Schutz

Absperrung, Materialplatz, Abkleben von Fenstern, Türen und Außenanlagen, ggf. Schuttmulden und Winterbaumaßnahmen bei Ausführung zwischen November und Februar. Bei Kleinstmaßnahmen genügt ein Rollgerüst als Einzelposition; das große Fassadengerüst gehört als eigenes Gewerk in eine separate Ausschreibung.

Bestandsanalyse (bei Sanierung)

Haftfestigkeits-, Ebenheits- und Feuchtemessungen sowie eine fotografische Bestandsdokumentation sind die Grundlage jeder seriösen Kalkulation. Ohne diese Angaben kann der Bieter Untergrundrisiken nicht einpreisen und wird später nachfordern.

Rückbau und Untergrundvorbereitung

Je nach Bestand: Anstrich entfernen, Altputz abschlagen, Alt-WDVS inklusive Dübel demontieren und fachgerecht entsorgen (Dämmstoffe mit HBCD unterliegen besonderen Entsorgungsauflagen), Dachrinnen, Fensterbänke, Leuchten, Markisen, SAT-Anlagen und Blitzschutz demontieren und einlagern. Fassadenreinigung, Rissverpressung, Fehlstellenausbesserung und Grundierung folgen als eigene Sammelpositionen.

Sockel und Perimeter

Sockelschiene, Sockeldämmung (meist XPS), Sockelabdichtung gegen Spritzwasser, Sockel-Oberputz sowie bei erdberührten Bereichen eine Perimeterdämmung bis Frosttiefe. Lichtschächte, die durch die neue Dämmstärke tangiert werden, brauchen Aufstockrahmen.

WDVS oder VHF

Bei WDVS: Dämmplatten mit Material, Wärmeleitgruppe und Dicke, Verdübelung nach Windlastberechnung, Brandriegel aus Mineralwolle bei EPS-Dämmung und Gebäudehöhen über sieben Metern, Laibungsdämmung und Einbindung von Rollladenkästen. Bei VHF: Unterkonstruktion mit statischer Dimensionierung, Zwischensparrendämmung mit Winddichtbahn, die gewählte Bekleidung sowie Kant- und Leibungsteile. Danach folgen Armierung mit Gewebe, Eckschutz- und Anputzprofile, Dehnfugen und der Oberputz beziehungsweise Anstrich.

Anschlüsse, Wärmebrücken und Anbauteile

Fensterbänke, Fensteranschlüsse mit Kompriband, wärmebrückenfreie Balkonanschlüsse, Attika- und Dachrandabschlüsse, Schornstein- und Rohrdurchführungen sowie die Wiedermontage von Dachrinnen, Leuchten, Markisen, SAT-Anlagen und Blitzschutz gehören als Einzelpositionen ins LV, wenn sie am Objekt vorhanden sind.

💡
Praxistipp: Erfassen Sie Balkone, Erker, Rollladenkästen, Durchführungen und Anbauteile einzeln mit Anzahl und Maß. Sammelpositionen ohne Stückzahl sind eine häufige Ursache für spätere Nachträge.
Fassadenbau & -sanierung – A construction worker in a hard hat repairs a building facade on scaffolding in an urban setting.
Foto: Sergei Starostin / Pexels
Was kostet Fassadenbau & -sanierung bei Ihnen konkret? Beschreiben Sie Ihr Vorhaben — Sie erhalten sofort eine kostenlose Einschätzung mit Gewerken und Ablauf.
Kostenlos berechnen →

Vorbemerkungen: die Kalkulationsgrundlage über allen Positionen

Vor den Einzelpositionen muss das Leistungsverzeichnis festlegen, nach welchen Regeln kalkuliert wird. Dazu gehören die Bezugsnormen (DIN 18345, DIN 18515, DIN 4108, GEG), die geforderten U-Werte beziehungsweise der Dämmstandard, die Systemwahl (WDVS oder VHF, kein Mischsystem für dieselbe Fläche) sowie die Aufmaßregeln: Wird netto (Fläche abzüglich Öffnungen) oder brutto abgerechnet, ab welcher Öffnungsgröße wird abgezogen?

Legen Sie fest, dass der Bieter vor Angebotsabgabe eine Ortsbesichtigung durchzuführen hat, um Untergrundzustand, Zugänglichkeit, vorhandene Wärmebrücken und den Zustand von Anbauteilen selbst zu prüfen. Ohne diese Klausel verschiebt sich das Risiko unerkannter Bestandsmängel auf den Auftraggeber.

⚠️
Fallstrick Brandschutz: Bei EPS-Dämmung und Gebäudehöhen über sieben Metern ist ein umlaufender Brandriegel aus nichtbrennbarer Mineralwolle vorgeschrieben. Fehlt diese Position im LV, wird sie später als Nachtrag berechnet – oder schlimmer, gar nicht ausgeführt.
Fassadenbau & -sanierung – A historic building under restoration, covered in scaffolding and protective nets.
Foto: Peter Dyllong / Pexels
Was kostet Fassadenbau & -sanierung bei Ihnen konkret? Beschreiben Sie Ihr Vorhaben — Sie erhalten sofort eine kostenlose Einschätzung mit Gewerken und Ablauf.
Kostenlos berechnen →

Nebenleistungen nach VOB/C: was bereits im Einheitspreis enthalten ist

Nach VOB/C sind mit dem Einheitspreis unter anderem abgegolten: das Vorhalten von Kleingeräten und Werkzeug, der Materialtransport innerhalb der Baustelle, das Anlegen von Musterflächen zur Farb- und Strukturfreigabe, die laufende Reinigung des Arbeitsbereichs, das Schützen bereits fertiggestellter Bauteile vor Folgegewerken sowie die fachgerechte Entsorgung von Verpackungsmaterial. Diese Leistungen dürfen nicht als separate Position im Angebot auftauchen – tun sie es doch, ist das ein Hinweis auf eine unseriöse oder unerfahrene Kalkulation.

Nicht zu den Nebenleistungen gehören dagegen: das große Arbeitsgerüst (eigenes Gewerk), die Entsorgung von Sondermüll wie HBCD-haltigem Dämmstoff, statische Nachweise für die Unterkonstruktion bei VHF sowie Thermografie- oder Blower-Door-Prüfungen für den Förderantrag. Diese Positionen müssen im LV separat ausgewiesen sein.

Fassadenbau & -sanierung – Scaffolding on building facade at urban construction site under bright blue sky.
Foto: Mike van Schoonderwalt / Pexels

Woran Sie ein belastbares Angebot erkennen – und woran ein unvollständiges

Ein belastbares Angebot benennt Material, Wärmeleitgruppe und Dicke der Dämmung konkret, nicht nur »Dämmung nach Wahl«. Es weist Verdübelung, Brandriegel (falls erforderlich), Eckschutz- und Anschlussprofile als eigene Positionen aus und nennt die vorgesehene Putzart samt Körnung. Mengen sind auf die von Ihnen übergebenen Flächen und Längen bezogen, nicht pauschal geschätzt.

Ein unvollständiges Angebot erkennen Sie an fehlenden Anschlusspositionen (Fensterbänke, Balkone, Durchführungen), an pauschalen Sammelposten ohne Mengenangabe, an fehlender Unterscheidung zwischen WDVS und VHF sowie an fehlenden Hinweisen zur Entsorgung des Altbestands. Fragen Sie außerdem gezielt nach der Systemgarantie des Herstellers – sie gilt nur, wenn alle Systemkomponenten (Kleber, Dübel, Armierung, Putz) vom selben Hersteller stammen.

💡
Vergleichbarkeit sichern: Fordern Sie von allen Bietern dieselbe Systemvorgabe (Material, WLG, Putzart) ein. Nur so vergleichen Sie tatsächlich gleiche Leistung statt unterschiedlicher Qualitätsstufen.

Schnittstellen zu anderen Gewerken

Das Arbeitsgerüst wird als eigenes Gewerk beauftragt und muss vor Beginn der Fassadenarbeiten stehen und für die Dauer der Ausführung inklusive Lastklasse und Verankerungspunkten im WDVS vorgehalten werden – stimmen Sie den Zeitraum zwischen beiden Gewerken ab, sonst entstehen Standzeiten zulasten des Bauzeitenplans.

Dachdecker- und Klempnerarbeiten (Dachrand, Attika, Regenrinnen) müssen terminlich vor dem Oberputz abgeschlossen sein, damit Anschlüsse dicht ausgeführt werden können. Elektriker sind für die Demontage und fachgerechte Wiedermontage von Außenleuchten, SAT-Anlagen und Blitzschutz zuständig – klären Sie vorab, ob diese Leistungen im Fassadengewerk oder separat vergeben werden, damit keine Lücke entsteht. Fenster- und Rollladenbauer liefern die Maße für Laibungsdämmung und Fensterbänke; ohne deren Bestandsaufnahme lassen sich diese Positionen nicht verlässlich bemengen. Bei Förderanträgen stimmt der Energieberater den geforderten U-Wert mit der gewählten Dämmstärke ab, bevor die Ausschreibung hinausgeht.

byndl übernimmt aus Ihren Angaben zu Fassadenflächen, Bauteilen und Bestandssituation die Erstellung eines vollständigen, VOB-konformen Leistungsverzeichnisses mit Mengen und Vorbemerkungen, ergänzt um eine Kostenschätzung und einen Terminplan, der die Abhängigkeiten zu Gerüstbau, Dachdecker und Elektriker berücksichtigt. Die Ausschreibung geht anschließend an passende Betriebe. Registrierung und Projektbeschreibung sind kostenlos.

Bereit für Ihr Projekt?

In 2 Minuten wissen Sie, was Ihr Projekt kostet, welche Gewerke Sie brauchen und wie lange es dauert.

Jetzt Projekt analysieren
✓ Kostenlos✓ Keine Registrierung✓ Ergebnis in 2 Minuten

Häufige Fragen zur Fassadenbau & -sanierung

Für dieselbe Fläche nicht. Beide Systeme haben unterschiedliche Normen und Kalkulationslogik. Unterschiedliche Baukörper oder Fassadenseiten können jedoch unterschiedliche Systeme erhalten, wenn dies fachlich begründet ist.
Nein, das große Arbeitsgerüst ist ein eigenes Gewerk. Im Fassaden-LV genügt der Hinweis auf Lastklasse, Verankerung im WDVS und den benötigten Gerüstzeitraum. Nur bei Kleinstmaßnahmen ist ein Rollgerüst als Einzelposition sinnvoll.
Bei EPS-Dämmstoffen und Gebäudehöhen über sieben Metern schreiben die bauaufsichtlichen Regeln einen umlaufenden Brandriegel aus nichtbrennbarer Mineralwolle je Geschoss vor. Fehlt diese Position, drohen Nachtrag oder Bauabnahmeprobleme.
Sie werden im Rückbau-Titel einzeln demontiert und eingelagert, nach Abschluss der Fassadenarbeiten im Titel Anbauteile und Wiedermontage wieder fachgerecht, teils thermisch getrennt, montiert. Beides gehört als eigene Position ins LV.
Nur wenn alle Komponenten – Kleber, Dämmplatte, Dübel, Armierungsmörtel, Gewebe und Oberputz – aus einem geprüften Systemaufbau desselben Herstellers stammen. Mischen von Komponenten verschiedener Hersteller lässt die Garantie meist entfallen.
Haftfestigkeits-, Feuchte- und Ebenheitsmessungen zeigen dem Bieter, welche Untergrundrisiken bestehen. Ohne diese Angaben kalkuliert er auf Verdacht oder mit Sicherheitszuschlag – beides führt später zu Nachträgen oder überhöhten Preisen.