Wann dieses Gewerk gebraucht wird und was es umfasst
Fassadenbau und -sanierung betreffen alle Maßnahmen an der wärme- und witterungsschützenden Gebäudehülle: von der reinen Neubeschichtung über die energetische Sanierung mit Wärmedämmverbundsystem bis zur vorgehängten hinterlüfteten Fassade mit Klinker-, Faserzement- oder Metallbekleidung. Typische Anlässe sind Risse und Abplatzungen am Altputz, ein anstehender Fassadenanstrich, die Erfüllung des Gebäudeenergiegesetzes bei größeren Sanierungen, der Wunsch nach KfW-Förderung oder schlicht das Alter der bestehenden Dämmung.
Wichtig für die Ausschreibung: WDVS und VHF sind zwei grundverschiedene Konstruktionen mit unterschiedlichen Normen (DIN 18345 für WDVS, DIN 18515 für Außenwandbekleidungen) und Kalkulationslogiken. Beide Systeme in einem Leistungsverzeichnis für dieselbe Fläche auszuschreiben, ist ein häufiger Fehler, der zu unvergleichbaren Angeboten führt. Legen Sie die Systementscheidung möglichst vor der Ausschreibung fest, notfalls mit fachlicher Beratung.
Was ins Leistungsverzeichnis gehört
Ein belastbares Fassaden-LV gliedert sich in nachvollziehbare Titel, die dem tatsächlichen Bauablauf folgen. Für jede Leistungsart wird die Gesamtmenge über alle bearbeiteten Fassadenseiten ausgewiesen – die Aufteilung nach Seiten darf zur Transparenz in der Beschreibung genannt werden, ändert aber nichts an der Positionszahl. Getrennte Positionen entstehen nur, wenn sich Aufbau oder System einer Seite tatsächlich unterscheiden, etwa eine Klinkerfassade statt Putz an einer Giebelwand.
Baustelleneinrichtung und Schutz
Absperrung, Materialplatz, Abkleben von Fenstern, Türen und Außenanlagen, ggf. Schuttmulden und Winterbaumaßnahmen bei Ausführung zwischen November und Februar. Bei Kleinstmaßnahmen genügt ein Rollgerüst als Einzelposition; das große Fassadengerüst gehört als eigenes Gewerk in eine separate Ausschreibung.
Bestandsanalyse (bei Sanierung)
Haftfestigkeits-, Ebenheits- und Feuchtemessungen sowie eine fotografische Bestandsdokumentation sind die Grundlage jeder seriösen Kalkulation. Ohne diese Angaben kann der Bieter Untergrundrisiken nicht einpreisen und wird später nachfordern.
Rückbau und Untergrundvorbereitung
Je nach Bestand: Anstrich entfernen, Altputz abschlagen, Alt-WDVS inklusive Dübel demontieren und fachgerecht entsorgen (Dämmstoffe mit HBCD unterliegen besonderen Entsorgungsauflagen), Dachrinnen, Fensterbänke, Leuchten, Markisen, SAT-Anlagen und Blitzschutz demontieren und einlagern. Fassadenreinigung, Rissverpressung, Fehlstellenausbesserung und Grundierung folgen als eigene Sammelpositionen.
Sockel und Perimeter
Sockelschiene, Sockeldämmung (meist XPS), Sockelabdichtung gegen Spritzwasser, Sockel-Oberputz sowie bei erdberührten Bereichen eine Perimeterdämmung bis Frosttiefe. Lichtschächte, die durch die neue Dämmstärke tangiert werden, brauchen Aufstockrahmen.
WDVS oder VHF
Bei WDVS: Dämmplatten mit Material, Wärmeleitgruppe und Dicke, Verdübelung nach Windlastberechnung, Brandriegel aus Mineralwolle bei EPS-Dämmung und Gebäudehöhen über sieben Metern, Laibungsdämmung und Einbindung von Rollladenkästen. Bei VHF: Unterkonstruktion mit statischer Dimensionierung, Zwischensparrendämmung mit Winddichtbahn, die gewählte Bekleidung sowie Kant- und Leibungsteile. Danach folgen Armierung mit Gewebe, Eckschutz- und Anputzprofile, Dehnfugen und der Oberputz beziehungsweise Anstrich.
Anschlüsse, Wärmebrücken und Anbauteile
Fensterbänke, Fensteranschlüsse mit Kompriband, wärmebrückenfreie Balkonanschlüsse, Attika- und Dachrandabschlüsse, Schornstein- und Rohrdurchführungen sowie die Wiedermontage von Dachrinnen, Leuchten, Markisen, SAT-Anlagen und Blitzschutz gehören als Einzelpositionen ins LV, wenn sie am Objekt vorhanden sind.
Vorbemerkungen: die Kalkulationsgrundlage über allen Positionen
Vor den Einzelpositionen muss das Leistungsverzeichnis festlegen, nach welchen Regeln kalkuliert wird. Dazu gehören die Bezugsnormen (DIN 18345, DIN 18515, DIN 4108, GEG), die geforderten U-Werte beziehungsweise der Dämmstandard, die Systemwahl (WDVS oder VHF, kein Mischsystem für dieselbe Fläche) sowie die Aufmaßregeln: Wird netto (Fläche abzüglich Öffnungen) oder brutto abgerechnet, ab welcher Öffnungsgröße wird abgezogen?
Legen Sie fest, dass der Bieter vor Angebotsabgabe eine Ortsbesichtigung durchzuführen hat, um Untergrundzustand, Zugänglichkeit, vorhandene Wärmebrücken und den Zustand von Anbauteilen selbst zu prüfen. Ohne diese Klausel verschiebt sich das Risiko unerkannter Bestandsmängel auf den Auftraggeber.
Nebenleistungen nach VOB/C: was bereits im Einheitspreis enthalten ist
Nach VOB/C sind mit dem Einheitspreis unter anderem abgegolten: das Vorhalten von Kleingeräten und Werkzeug, der Materialtransport innerhalb der Baustelle, das Anlegen von Musterflächen zur Farb- und Strukturfreigabe, die laufende Reinigung des Arbeitsbereichs, das Schützen bereits fertiggestellter Bauteile vor Folgegewerken sowie die fachgerechte Entsorgung von Verpackungsmaterial. Diese Leistungen dürfen nicht als separate Position im Angebot auftauchen – tun sie es doch, ist das ein Hinweis auf eine unseriöse oder unerfahrene Kalkulation.
Nicht zu den Nebenleistungen gehören dagegen: das große Arbeitsgerüst (eigenes Gewerk), die Entsorgung von Sondermüll wie HBCD-haltigem Dämmstoff, statische Nachweise für die Unterkonstruktion bei VHF sowie Thermografie- oder Blower-Door-Prüfungen für den Förderantrag. Diese Positionen müssen im LV separat ausgewiesen sein.
Woran Sie ein belastbares Angebot erkennen – und woran ein unvollständiges
Ein belastbares Angebot benennt Material, Wärmeleitgruppe und Dicke der Dämmung konkret, nicht nur »Dämmung nach Wahl«. Es weist Verdübelung, Brandriegel (falls erforderlich), Eckschutz- und Anschlussprofile als eigene Positionen aus und nennt die vorgesehene Putzart samt Körnung. Mengen sind auf die von Ihnen übergebenen Flächen und Längen bezogen, nicht pauschal geschätzt.
Ein unvollständiges Angebot erkennen Sie an fehlenden Anschlusspositionen (Fensterbänke, Balkone, Durchführungen), an pauschalen Sammelposten ohne Mengenangabe, an fehlender Unterscheidung zwischen WDVS und VHF sowie an fehlenden Hinweisen zur Entsorgung des Altbestands. Fragen Sie außerdem gezielt nach der Systemgarantie des Herstellers – sie gilt nur, wenn alle Systemkomponenten (Kleber, Dübel, Armierung, Putz) vom selben Hersteller stammen.
Schnittstellen zu anderen Gewerken
Das Arbeitsgerüst wird als eigenes Gewerk beauftragt und muss vor Beginn der Fassadenarbeiten stehen und für die Dauer der Ausführung inklusive Lastklasse und Verankerungspunkten im WDVS vorgehalten werden – stimmen Sie den Zeitraum zwischen beiden Gewerken ab, sonst entstehen Standzeiten zulasten des Bauzeitenplans.
Dachdecker- und Klempnerarbeiten (Dachrand, Attika, Regenrinnen) müssen terminlich vor dem Oberputz abgeschlossen sein, damit Anschlüsse dicht ausgeführt werden können. Elektriker sind für die Demontage und fachgerechte Wiedermontage von Außenleuchten, SAT-Anlagen und Blitzschutz zuständig – klären Sie vorab, ob diese Leistungen im Fassadengewerk oder separat vergeben werden, damit keine Lücke entsteht. Fenster- und Rollladenbauer liefern die Maße für Laibungsdämmung und Fensterbänke; ohne deren Bestandsaufnahme lassen sich diese Positionen nicht verlässlich bemengen. Bei Förderanträgen stimmt der Energieberater den geforderten U-Wert mit der gewählten Dämmstärke ab, bevor die Ausschreibung hinausgeht.
byndl übernimmt aus Ihren Angaben zu Fassadenflächen, Bauteilen und Bestandssituation die Erstellung eines vollständigen, VOB-konformen Leistungsverzeichnisses mit Mengen und Vorbemerkungen, ergänzt um eine Kostenschätzung und einen Terminplan, der die Abhängigkeiten zu Gerüstbau, Dachdecker und Elektriker berücksichtigt. Die Ausschreibung geht anschließend an passende Betriebe. Registrierung und Projektbeschreibung sind kostenlos.